von Marie-Luise Schmand
Uwe Rettkowski, Geschäftsführer des DRK, ist wenig überrascht von den Plänen der neuen Bundesregierung, Wehr- und Zivildienst auf sechs Monate zu verkürzen. Er bedauert diese Entwicklung, die vor Jahren mit dem schrittweisen Abbau der Dienstzeiten begann.
Fünf Zivildienstleistende setzt das DRK neben sechs weiteren Mitarbeitern im Fahrdienst für Behinderte ein, der früher einmal komplett durch den Wehrersatzdienst abgedeckt wurde. Bei einer Verkürzung der Dienstzeit sei einer der sechs Monate nicht einplanbar wegen Urlaub und Schulungen. „Dann bleiben fünf Monate", rechnet Rettkowski vor. „Die Frage stellt sich, was ein Zivildienst in so rudimentärer Form noch bringt. Das ist doch Augenwischerei." Das DRK werde sein Personalkonzept für den bei Zivildienstleistenden beliebten Fahrdienst an die neuen Bedingungen anpassen. Weitere Bereiche sind nicht betroffen - das Rote Kreuz setzt „Zivis" weder in Kindergärten noch bei häuslichen Dienstleistungen ein.
Arndt Schreiner, Leiter der Rheinbaben-Werkstatt für Behinderte, sieht es ähnlich. „Das Missverhältnis zwischen Dienst- und Ausbildungszeit wird verschärft", stellt er fest. Bei einer Ersatzdienst-Dauer von sechs Monaten mit Schulungen und Urlaubsanspruch „wird es für uns relativ unattraktiv, auf Zivildiensleistende zuzugehen". Neun von ihnen sind noch in der Werkstatt in unterschiedlichen Bereichen beschäftigt – vom Fahrdienst für Behinderte bis zur Anleitung für die Arbeit.
Das freiwillige soziale Jahr oder auch das Lifetime-Praktikum der Diakonie für Schulabsolventen eröffne attraktivere Perspektiven, um Stellen zu besetzen, erklärt Schreiner: „Zumindest müssen wir uns Alternativen überlegen." Welche das sein könnten, ist dem Diakonischen Werk auf Kirchenkreis-Ebene aber nicht klar, wo in den drei Städten Gladbeck, Bottrop und Dorsten 40 Zivildienstleistende eingesetzt sind.
Pressesprecher Michael Horst rechnet mit einem Substanzverlust bei der sozialen Arbeit, wenn die Dienstzeit gekürzt wird, denn ohne Weiteres lasse sich in Erwartung geburtenschwacher Jahrgänge kein Ersatz schaffen. „Wir müssten deutlich mehr Bewerber haben, um den Verlust auszugleichen. Woher sollen sie kommen?", fragt sich Horst.
Dass jetzt alles zusammenbricht, glaubt Gudrun Wischnewski, Geschäftsführerin der AWo, zwar nicht. Sie setzt in Bottrop übers Jahr nur ein oder zwei Zivildienstleistende ein. Wird ihre Dienstzeit verkürzt, stellt sich aber auch der Geschäftsführerin die Frage, ob der Aufwand noch lohnt.
Bei der Caritas hat man eine Antwort gefunden: „Wir wollen die Zivildienstleistenden auf jeden Fall behalten", erklärt Margarethe Janknecht, Fachbereichsleiterin Senioren und Pflege, die die Dienstzeit-Verkürzung bereits mit ihren Heimleitungen erörtert hat. Zehn bis 15 Stellen sind pro Jahr zu besetzen, der Schwerpunkt liegt auf den Altenheimen und im Kinderdorf am Köllnischen Wald und auf dem Besuchsdienst für Senioren. „Sie werden gebraucht." Die jungen Männer seien eine gute Hilfe, um Normalität und Alltag in die Heimatmosphäre zu transportieren. „Wir wollen nicht darauf verzichten."
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